Wanderferien Tessin 2021

Capolago

Wir resien nach Capolago und geniessen den warmen Abend am Luganersee. Geplant sind nun die nächsten 5 Tage mit Berg-Wanderungen und dann Übernachtungen meist in Hütten. Heute und Morgen sind aber noch Hotels gebucht, das heisst a la Carte Essen und Duschen.

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Monte Generoso - Gandria

Überraschung am Ticketschalter der Monte Generoso Bahn; ich erhalte Seniorenrabatt! So müssen wir natürlich hoch shutteln. Aber die restliche Tagesetappe ist auch so lang genug, die 2200 Tiefenmeter und 800 Höhgenmeter werden sicherlich einen Muskelkater verursachen.

Aber die Bahnfahrt ist eine Qual, gerammelt voll und lärmig ist's.

Der Gipfel ist dann in den Wolken, die Sicht nicht gerade toll, aber immerhin sehen wir den spannenden Wegverlauf. Und der Abstieg ist dann auch knackig, und gespickt mit Kletterstellen, vorbei an blühenden Pfingsrosen, ein Genuss.

Mittagspause an der Quelle der Sovaglia, einem Loch in den Felsen, inmitten von extremen Grüntönen.

Irgendwann passieren wir Arogno, ab hier steigt's ordentlich an. Der Führer verspricht "zwei orientierungsmässig nicht ganz einfache, weitgehend weglose Waldpassagen". Das ist krass untertrieben, und was er vergass zu erwähnen sind die vielen Kubikmeter Totholz. Zudem müssen wir uns beeilen um in Caprino das letzte Kursschiff Richtung Gandria erreichen, was wir mit einer knappen halben Stunde Zeitreserve schliesslich schaffen. Wir fühlen uns aber einigermassen kaputt.

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Gandria - Capanna Pairolo

Mit noch müden und muskelkatrigen Beinen starten wir spät, aber im Hotel habens die nicht so eilig mit dem eher mageren Frühstück. 

Über Bré, einem wirklich schmucken Ort, steigen wir hoch zum Monte Boglia. Nach extrem kurzer Zeit sind wir wie während aller Etappen extrem nass durchschwitzt, alles klebt. Weiter gehts Richtung Denti della Vecchia (Zähne der Greisin), interessanten Steinformationen die unter Klettern sehr beliebt sind. Zeitlich treffen wir in der Capanna Parolo ein und können unseren Flüssigkeitshaushalt wieder einigermasse ausgleichen.

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Capanna Pairolo - San Lucio

Die Kretenwanderung von der Capanna Pairolo nach San Lucio ist bekannt. Wir wählen aber den Weg durch das Schluchtenwirrwarr des italienischen  Valsolda, vorbei an rauschenden Bächen, versteckten Alpen, durch früher intensiv genutztes, heute jedoch sehr selten begangenes Bergland. Und wir begegnen während der ganzen Etappe absolut niemandem!

Die Capanna San Lucio liegt toll, ist sonst aber nur bedingt weiter zu empfehlen. Alles ist schmuddelig, wir sind froh um unsere Hüttenschlafsäcke und Kopfkissen, und der Gastgeber tut entschieden zuviel für seinen Flüssigkeitshaushalt. Wenigstens gibt's genug zu Essen, aber an die Zwiback zum Zmorge will ich mich nicht so recht gewöhnen.

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San Lucio - Capanna Gesero

Unsere Kreten- und  Gipfeltour: Gazzirola - Monte Stabiello - Mottone della Tappa - Cima Verta, aber dann ist Schluss damit bei der Bochetta di Sommafiume. Der versprochene gut sichtbare weitere Kretenpfad existiert nicht mehr. Das versprochene Drahtseil im Gipfelaufschwung zum Cima Pomodoro liegt zu seinen Füssen. Da wir auch zeitlich auf dieser längsten Etappe eher knapp dran sind entschliessen wir uns auf den Wanderweg Via del Ferro aus zu weichen, eine schöne Variante. 

Im Gegensatz zu San Lucio ist die Capanna Gesero eine positive Überraschung, das junge Wirtepaar verwöhnt uns mit Freundlichkeit und sehr gutem Essen, und die Bettwäsche ist sauber.

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Capanna Gesero - Bellinzona

Der letzte Tag, Abstieg nach Bellinzona, vorbei an Shützengräben aus dem 1. Weltkrieg und schönen Aussichtsstellen in die Leventina. Da sich eine Blase am rechten kleinen Zeh ankündigt wechsle ich von den Bergschuhen auf die Turnschuhe. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber die letzten paar hundert Tiefenmeter gehts auf einem mühsamen steinigen Weg, die Fusssohlen sind sich das nicht gewohnt und fangen an zu brennen.

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Wanderferien Tessin

Nun ist sie schon vorbei, unsere 5-tägige Wanderung, eine sehr schöne und tolle Erfahrung. Insgesamt hatten wir gutes, etwas schwülwarmes Wetter ohne Regen, leider war die Fernsicht mehrheitlich nicht der Hammer. Andere Wanderer trafen wir kaum je, höchstens in den Hütten ein paar wenige.

Meine Packliste kann ich für das nächste mal noch leicht optimieren. Ingesamt 4 Wechselobjektive sind 2 zuviel, dafür waren alle 3 T-Shirts in Gebrauch, und erstaunlicherweise stinken die Merinosachen auch nach dem dritten Tag noch nicht. Jedenfalls hätte ich's nicht bemerkt.

Vom tollen Muskelkater nach dem ersten Tag war spätestens am 4 Tag nichts mehr zu spüren. Immerhin haben wir 73km zurück gelegt, 5600m rauf und 7000m runter, das in 32 Stunden. 

Und noch was, der Alpin Wanderführer Tessin ist nicht mehr ganz up to date.  

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